Überblick
Beamtendeutsch
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Vermeiden
Sie Beamtendeutsch!
Bitte
lesen Sie die folgenden 3 (Haupt-)Worte so oft, bis Sie diese auswendig können:
„Weggang“,
„Hilfe“, „Handlung“.
Schließen
Sie jetzt die Augen, wiederholen Sie diese Worte und achten nur auf Ihr
Bauchgefühl: welche Gefühlsregung haben Sie hierbei? Wiederholen Sie jetzt die
nachfolgenden 3 Wörter (Verben) ebenfalls so oft, bis Sie auch diese auswendig
können:
„Weggehen“,
„helfen“, „handeln“.
Schließen
Sie wieder die Augen, wiederholen Sie die Wörter und achten auf Ihr Bauchgefühl:
welche Gefühlsregung verspüren Sie jetzt? Das Ergebnis lautet: Verben
lösen im Normalfall mehr Bauchgefühl aus als Hauptwörter! Bei Gesprächen
hören wir oft Sätze wie: „Die
Hauptaufgabe besteht in der Erlangung der Marktführerschaft.“ Das ist das
Gegenteil von bildhafter Sprache, nämlich Amtsdeutsch.
Anschaulicher
wird es, wenn Sie diesen Satz in 2 Sätze mit Doppelpunkt aufteilen: „Unsere Hauptaufgabe: Marktführerschaft
erlangen!“ Aus „Erlangung“ wird „erlangen“. Das ist viel emotionaler. Nur
wenige Hauptwörter haben so einen hohen Emotionalgehalt wie die dazugehörigen
Verben (bildhafte Worte wie Baum, Sonne, Stuhl).
Die
Steigerung des Sündenfalls sind alle Worte, die mit -ung, -heit, -keit, -nis,
-ion enden; Beispiele für solche
„Substantivierungskrücken“:
Einfachheit,
Verabschiedung, Arbeitslosigkeit, Kommunikation, Kostenersparnis,
Preis-Leistungs-Verhältnis, Flexibilität, Kundenzufriedenheit,
Arbeitsplatzsicherung, Restrukturierungsmaßnahme, Qualität...
Viele
dieser Begriffe gehören zum üblichen Repertoire eines Verkäufers. Nur: Was geht
in einem Kunden vor, der mit solchen Begriffen bombardiert wird? Sie lösen im
Kunden keine Emotionen aus. Kaum ein Zuhörer macht sich die Mühe, diese
Begriffe in etwas Anschauliches zu übersetzen. So haben Sie wenig Chancen,
Menschen zu überzeugen!
Ein weiteres Beispiel aus einem
Lehrvideo für Verkaufs-Rhetorik:
„Durch
den hohen technischen Standard...gilt es, die Vernetzung der Einzelmaßnahmen zu
Einzelkonzepten zu fördern...was eine wichtige zu kommunizierende Aufgabe ist.
... Die Erstellung der von Ihnen gewünschten Broschüre...sowie die Verstärkung
der Pressearbeit...von deren Wirksamkeit wir aber überzeugt sind...“
Das war
nicht als abschreckendes Beispiel gedacht. Der Verfasser ging davon aus, dass
Menschen so reden sollen! Bei diesem Beamtendeutsch werden Sachverhalte und
Begriffe weit schweifend umschrieben. Wir sprechen hier auch vom Nominalisierungsstil.
Menschen behalten Bilder besser als Sprache. Bilder aktivieren die
rechte Gehirnhälfte, so dass das Angebot länger in Erinnerung bleibt. Das gilt
vor allem für den Telefonverkauf. Da beim Telefonieren nichts visualisieren
können, von Vorteil, in bildhaften Sprache zu sprechen. Sprechen Sie dazu mehr
in Verben als in Substantiven.
Langtext
„Modern Talking“:
„Im Zuge der weiteren Entwicklung der Welt entschied der
Generalbevollmächtigte, einen mit Entscheidungsportfolio festgelegten
Himmelskörper als Testobjekt experimentell weiterzuentwickeln. Nach der
Zielfestlegung kamen nach und nach die Schritte der Umsetzung, strikt nach der
vorher aufgestellten Planung...“
Urtext: „Und Gott schuf Himmel und Erde...“
Beispiel:
Statt
„Zum Zwecke einer punktgenauen Einführung des Informationssystems würden
wir uns freuen, wenn Sie uns eine rechtzeitige Terminvorgabe erteilen.“
Besser: „Wann wünschen Sie, das Informationssystem
einzuführen? Nennen Sie uns bitte den für Sie optimalen Zeitpunkt.“
Tipp: Verwenden Sie lebendige Tätigkeitswörter statt
toter Hauptwörter. Verben sind emotionaler als Hauptwörter!
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