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Gesprächsverhalten von Männern und Frauen

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Worin unterscheidet sich das Gesprächsverhalten von Männern und Frauen?

Über das unterschiedliche Sprechverhalten von Männern und Frauen ist viel geforscht und publiziert worden. Doch kaum eine Publikation geht über allgemein gehaltene Empfehlungen hinaus, mit welchen Sprechtechniken Frauen den „Männerbonus“ wieder wettmachen können. Bekannt ist auch, dass das unterschiedliche Sprechverhalten bereits von Kindesbeinen an durch die Vorbereitung auf die typischen Rollenverteilungen gelernt wird. Die Sprache und Sprechweise lassen weiterhin Rückschlüsse auf die unterschiedliche Schichtzugehörigkeit zu. Das angelernte Verhalten setzt sich sowohl für Männer als auch für Frauen in späteren Jahren fort und findet Ausdruck in der Sprache, im Sprechstil, in Kompetenzanspruch und Dominanzverhalten.

Grundsätzlich haben Frauen eine vorsichtigere, zurückhaltender und abschwächendere Ausdrucksweise als Männer. Sie leisten jedoch oft die bessere Gesprächsarbeit, sind kooperativer und unterstützender. Das Gesprächsverhalten von Männern hingegen ist von Beherrschung der Situation bestimmt, z.B. durch klare, eindeutige und bestimmende Aussagen, lauteres Sprechen, sprachliches Imponiergehabe, Zwischenrufe etc. Das unterschiedliche Sprechverhalten zwischen Männern und Frauen ist bereits von Kindesbeinen an gelernt. Es dient der Vorbereitung auf die typischen Rollenverteilungen: So raufen Jungen öfter als Mädchen, um ihre Kräfte und Grenzen im Spiel bewusst zu erkennen. Jungen sprechen meist konkret von Sachverhalten („Das Autorennen gestern war einfach toll“). Mädchen dagegen sprechen mehr die Gefühlsebene an („Meine Puppe war heute ganz böse zu mir“).

Das angelernte Verhalten setzt sich im Berufsleben fort. Ergebnis: Frauen haben nicht die gleichen Rederechte und -möglichkeiten als Männer:

 

1.)     Männer haben mehr Redeanteile als Frauen, die oft zu „höflich“ sind: Frauen werden in Gesprächen häufiger unterbrochen als Männer und lassen es meist widerspruchslos geschehen. „Darf ich Sie kurz unterbrechen“ ist dabei noch eine der harmloseren Unterbrechungen.

 

2.)     Vorschläge von Frauen werden von Männern oft nicht beachtet: Männer beeinflussen Gruppenentscheidungen stärker, auch wenn Frauen bessere Lösungsvorschläge präsentieren. Z.B. geht der Vorschlag einer Frau geht in einer Diskussion oftmals unter, während der gleiche Vorschlag, später von einem Mann eingebracht, Gewicht bekommt und diskutiert wird.

 

3.)     Redebeiträge werden häufiger direkt an Männer als an Frauen gerichtet (von Männern und Frauen).

 

4.)     Frauen benutzen grundsätzlich eine vorsichtigere und abschwächendere Ausdrucksweise: Sie schrecken vor klaren und eindeutigen Aussagen zurück.

Frau: „Ich würde meinen, dass...“                           

Mann: „Es ist eindeutig bewiesen, dass...!“

 

Frau: „Ich versuche, das zu tun.“                            

Mann: „Ich erledige das!“

 

Frau: „Eigentlich bin ich anderer Meinung.“ 

Mann: „Ich bin da ganz anderer Meinung!“

 

Frau: „Man könnte sagen...“           

Mann: „Ich sage, dass...!“

 

 

5.)     Frauen heben ihre Stimme fragend am Satzende, obwohl sie keine Frage gestellt, sondern eine Aussage gemacht haben („Könnte es nicht sein, dass...?“, „...nicht wahr?“). Dies ist eine unbewusste Vorgehensweise, um eine Reaktion zu erhalten. So wird jedoch die Aussage entwertet.

 

6.)     Männer werten sich oft selbst auf und fordern ihr Rederecht, während Frauen sich und ihr Wissen abwerten und um das Rederecht bitten:

Frau: „Ich weiß nicht, ob Sie mit meinem Vorschlag etwas anfangen können, aber...“

Mann: „Mein Vorschlag setzt neue Maßstäbe, und darum...!“

 

Frau: „Ich bin nur die Sachbearbeiterin und keine Expertin auf diesem Gebiet, aber vielleicht...?“

Mann: „Ich bin für diesen Bereich verantwortlich und als Experte sage ich...!“

 

Frau: „Darf ich dazu mal etwas sagen?“      

Mann: „Dazu sage ich folgendes...!“

 

Frau: „Darf ich noch diesen Satz zu Ende sprechen?“

Mann: „Ich spreche diesen Satz jetzt zu Ende!“

 

 

7.)     Männer sprechen oft mit harten, manchmal sogar militärischen Begriffen (z.B. Werbeschlacht, Preiskrieg, Verhandlungsmarathon), während Frauen weicher sprechen und Verniedlichungen benutzen:

Frau: „Herr Müller, möchten Sie noch ein Tässchen Kaffee?“

Mann: „Ich nehme noch eine Tasse Kaffee!“

 

Frau: „Vielleicht sollten wir die Sitzung für ein halbes Stündchen unterbrechen?“

Mann: „Wir unterbrechen die Sitzung für eine halbe Stunde!“

 

Frau: „Unsere Verkäufer sind mit Material gut ausgestattet. Es fehlt lediglich die Koordinierung und die Motivation. Ist es nicht so?“

Mann: „Unsere Truppe ist gut gerüstet, aber es fehlt ihr an der Moral, und es fehlt die Führung auf Divisionsebene. Das ist das Problem!“

Frauen haben außerdem oft Vorliebe für leere und z.T. übertriebene Adjektive („herrlich“, „wahnsinnig“, „toll“, „schrecklich“).

8.)     Ist ein „Experte“ (z.B. Controller, Ingenieur) in der Gruppe, haben Frauen die größeren Befürchtungen, sich zu blamieren, wenn sie widersprechen. Es gilt der Männerbonus: die Fehler einer Frau zählen doppelt.

 

9.)     Männer geben sich demokratisch und beschwören als einzig mögliche Lösung eine Abstimmung. Niemand widerspricht, denn wer will schon „undemokratisch“ sein? Beispiel: „So kommen wir nicht weiter. Stimmen wir ab. Wer ist gegen meinen Vorschlag?“

 

10.)       Anwesende Frauen werden häufig in Durchführungsaktionen von Männervorschlägen eingebunden (Pseudo-Team). Bei Zuweisung eines schwierigen Problems können Männer später die Frauen korrigieren bzw. „belehren“.

 

11.)       Zwischen Frauen selbst kommt es in Gesprächen häufig zu Eifersüchteleien bzw. Rivalitäten. Davon profitieren meistens die anwesenden Männer.

 

12.)       Frauen werden oft direkt oder indirekt lächerlich gemacht, z.B. durch (anzügliche) Bemerkungen, Nicht-ernst-Nehmen, Angriffe auf die Person statt auf die Sache, frauenfeindliche Witze usw. Beispiele:

„Darüber zerbrechen Sie sich mal nicht Ihren hübschen Kopf!“

„Wenn Sie so gute Vorschläge machen würden, wie Sie aussehen, dann...!“

„Können Sie einen Männerwitz vertragen, oder sind Sie humorlos?“

„Eine anständige Frau lacht bei schmutzigen Witzen nicht mit. Die geht in die Küche und schreibt den Witz auf.“

„Meine Herren, angesichts der Hitze ziehen wir unsere Jacketts aus. Frau Meyer darf noch einen Schritt weiter gehen...“

„Wir wissen, Frau Meyer, dass Sie sich bemühen. Aber Sie denken eben als Frau, und Ihre Vorschläge sind nicht realistisch für unsere männlichen Mitarbeiter. Das sind alles hartgesottene Burschen!“

Konsequenz: Frauen schweigen, hören zwar interessiert zu, trauen sich aber nichts zu sagen und lächeln meistens - auch bei Angriffen („elende Lächeln“). Sie werden zu Mitläufern. Auch Männer schwächen manchmal Aussagen ab, aber aus taktischen Gründen, aufgrund bestehender Machtstrukturen, oder weil sie noch kein gutes Rhetorik-Seminar besucht haben...

Frauen leisten oft bessere Gesprächsarbeit: Sie halten die Kommunikation aufrecht, hören zu und nehmen Anteil. Sie stimmen öfter zu und nicken häufiger - ihr Sprachregister ist lebendiger und verständlicher als bei Männern. Sie beachten stärker als Männer die Beziehungsebene, während Männer auf einem unverbindlichen, neutralen Niveau bleiben und weibliche Gesprächsbeiträge verbal neutralisieren, indem sie den Beziehungsgehalt weiblicher Aussagen ignorieren („Lassen Sie uns bei der Sache bleiben“).

Frauen nehmen die Standpunkte ihrer Gesprächspartner/-innen stärker als Männer wahr. Sie sind in ihrem Gesprächsverhalten kooperativer und unterstützender. Männer halten dagegen die eigene Sichtweise als die einzig richtige und distanzieren sich bei Missklängen rasch vom Thema („Ich bin ganz meiner Meinung“).

Frauen wenden in Gruppen einen großen Teil der Zeit darauf, Harmonie herzustellen und alle miteinzubeziehen. Andererseits fühlen sich Frauen durch heftigere Auseinandersetzungen eher als Person in Frage gestellt, da sie mit weniger Distanz am Thema beteiligt sind. Daher vermeiden sie häufig Wortgefechte.

Frauen geben häufiger unterstützende Minimalreaktionen von sich („mmh“, „ja“, Kopfnicken etc.), die den Sprechenden unterstützen. Diese Investition in die Gesprächsathmosphäre („konversationelle Drecksarbeit“) kommt den anwesenden Männern zugute. Frauen geben explizite Unterstützung, indirekte Komplimente, positive Bewertungen an den Mann - er erwidert sie nicht. Anstatt dessen modifiziert, korrigiert er, bringt er Einwände, gibt zu bedenken und weiß natürlich die ‚objektive Wahrheit’.“ So wird männliches Dominanzverhalten stabilisiert.

Resümee: Weibliches Gesprächsverhalten ist meist sehr konstruktiv, kooperativ und menschlich. Was können Frauen tun, um sich in Gesprächen mit Männern durchzusetzen? Männliches Gesprächsverhalten übernehmen? Eine amerikanische Image-Beraterin empfahl, in männlichen Metaphern zu reden: „gerüstet“, „bis an die Zähne bewaffnet“, „bis auf den letzten Blutstropfen“. Das geht nicht nur an den Realitäten der Männer- und Frauenwelt vorbei. Auch besteht die Gefahr, als Emanze oder Kampfweib abgestempelt zu werden.

Um die Dominanz des männlichen Sprachverhaltens zu durchbrechen, ist ein klarer, direkter Gesprächsstil entscheidend, der auf Unwörter, Weichmacher und Verniedlichungen verzichtet. Somit geht es darum, das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern.

Überzeugende Rhetorik ist ein, wenn auch entscheidender Baustein, um sich in der rauen Männerwelt zu behaupten.

aus: Rhetorik und Schlagfertigkeit für Frauen - Link: Seminarinhalte

Literaturhinweise:

- Ruede-Wissmann, Wolf: Frauen wehr Euch - erfolgreich kämpfen in der Männerwelt, Wirtschaftsverlag Langen, 1994

- Schlüter, Barbara: Rhetorik für Frauen - selbstbewusst und richtig vorbereitet jede Gesprächssituation meistern, moderne industrie, 4. Aufl., 2002

 

 
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